Nofretetes Knackpo - Workshop mit Gauhara

Nofretetes Knackpo - Workshop mit Gauhara

von Hildegard Weiss


Gestern war sie noch Nofretete, hat das Publikum verzaubert in meiner Show "Von Andalusien zum Nil" (s.S.88) in der Stadthalle Rosenheim. Als Göttin Hathor entstieg sie kuhgehörnt mit Sonnenscheibe den Nebeln, versetzte uns in den Mythos pharaonischer Zeiten. Die Zusammenarbeit mit ihr war angenehm. Gauhara ist klar, professionell und intelligent.

Ich spreche jetzt als Veranstalterin. Es ist "der Morgen danach". Das Kind mit dem man so lange schwanger ging, ist geboren. Wie auch immer, Korrekturen sind nicht mehr möglich. Wochenbettdepressionen oder -euphorie kommen erst später. Die Anspannung ist abgefallen und dem angenehmen Gefühl gewichen, man habe seine Hausaufgaben gemacht und die Prüfung bestanden.

Nun sitzt Gauhara mir gegenüber am Frühstückstisch mit frischem Teint, ein lebendiges sensibles Gesicht mit wachen Augen und der allen Frühaufstehern eigenen liebenswürdigen Guten-Morgen-Laune und dank Augen-Permanent-Make-up bereits wenige Minuten nach dem Aufstehen gerüstet für das Leben über den Frühstückstisch hinaus. Gauharas Sprache ist kultiviert, ihre Umgangsformen dezent, ihre Art, sich im Haus zu bewegen ist natürlich und behutsam. Wir sind uns sympathisch und plaudern. Schade, der Workshop, den sie in meinem Studio geben wird, beginnt bald.

"Ich will auch so einen Po und so eine Taille!". Eine Workshopteilnehmerin kann sich während der Aufwärmgymnastik nicht mehr beherrschen. Das ist das Stichwort. Gauhara im knallengen Aerobic-Outfit kaschiert nichts durch Walle- und Glitzerrock. Da knackt der Po, Taille und Oberschenkel wie aus Marmor gemeißelt.

Gauhara: "Es gibt Übungen, ich habe da ein Trainingsprogramm." Das wollen wir auch. Die Choreographie ist nicht mehr wichtig. Meine Frauen sind hin und weg. Die Aktion "Knackpopo" nimmt ihren Lauf. Gauhara zeigt uns einige ihrer Spezialübungen. In Blitzesschnelle entsteht der Arbeitstitel des Workshops "Wege zum Knackpopo", der Termin wird festgelegt für ein ganzes Wochenende(17.+18.Oktober), kein Tanz, sondern nur ein spezielles Trainingsprogramm. Fünf Monate später Popokontrolle und aufbauender Folgeworkshop durch Gauhara. Wir freuen uns auf Oktober!



Um die Ernsthaftigkeit und den geistigen Hintergrund ihrer Arbeit zu demonstrieren, hier nähere Informationen in Gauharas eigenen Worten:
 

Der Weg zu einem strafferen Körper oder Gauharas Konzept für einen erfolgreichen Tanzunterricht


1995 lernte ich meinen jetzigen Freund Rado kennen. Er war mein Physiotherapeut und half mir, mit drei Bandscheibenvorfällen klarzukommen. Er ist Bulgare, ein ehemaliger Skiläufer der bulgarischen Nationalmannschaft und ein sehr guter Fachmann. Wir machten uns zur selben Zeit selbständig - er mit einer Praxis für Krankengymnastik, Medizinisches Aufbautraining etc. und ich mit meinem Zentrum für Tanz und Gymnastik. Wir sind im selben Gebäude Nachbarn. Von Rado habe ich viel profitiert, speziell was den Tanzunterricht betrifft. Seine Erfahrungen als ehemaliger Hochleistungssportler, als Betreuer von Sportlern und seine Kenntnisse, unter anderem in Anatomie, trugen dazu bei, daß ich ein Konzept entwickeln konnte, das das Erlernen des Bauchtanzes und des Tanzes im allgemeinen sehr vereinfacht. Das wird besonders dann deutlich, wenn auf meinen Studiofesten Frauen aufeinander treffen, die schon mehrere Jahre tanzen und später in meine Schule kamen und Frauen vortanzen, die bei mir ganz neu angefangen haben. Es ist erstaunlich, wie gut, und teilweise sogar besser, die Anfängerinnen im Vergleich zu den Fortgeschrittenen sind. Fitness für Tänzerinnen und Problemzonengymnastik sind meine besonderen Vorlieben im Gymnastikbereich!

Viele Tänzerinnen können gut tanzen, sind jedoch absolut nicht fit und haben ein ziemlich marodes Bindegewebe (Cellulite), was man bei so viel Bewegung kaum verstehen kann.

An mir selbst habe ich es ausprobiert und dann weitergegeben: Ganz spezielle Übungen, die in kurzer Zeit die Muskulatur aufbauen und - mit ein wenig Ausdauer - auch sogar das Gewebe straffen können.

Zu mir kommen überwiegend Frauen, die schon vieles ausprobiert haben, jedoch ohne Erfolg. Ich sage ihnen immer, wenn man nicht nur darüber redet, sondern auch was tut, dann wird`s auch. Diese Gymnastik habe ich nicht nur entwickelt, um einen strafferen Körper zu bekommen, sondern sie ist auch aus der Notwendigkeit entstanden, mit Rücken- und Gelenkproblemen gut leben und vor allen noch besser tanzen zu können.

Die meisten Bauchtänzerinnen sind sich vieler Dinge, die mit dem Tanz im allgemeinen zu tun haben, gar nicht bewußt, da viele, wie in den vergangenen 20 Jahren üblich, bei irgendeiner Hausfrau oder Hobbytänzerin, die auch nur weitergab, was ihr vorgemacht wurde, Bauchtanzfiguren gelernt hatten und diese teilweise mehr schlecht als recht präsentierten.

In den letzten Jahren hat sich glücklicherweise einiges geändert. Immer mehr ehemalige Tänzer aus dem klassischen oder modernen Bereich kommen zu unserer Tanzform, was schon viel zu einer guten Haltung und Präsentation beiträgt, und einige Tänzerinnen geben sich nicht mehr damit zufrieden, Vorgemachtes nachzumachen und streben nach mehr Aus- und Weiterbildung. Mein Konzept basiert darauf, die natürlichen und damit logischen Bewegungsabläufe des Körpers bewußt zu machen, die Koordination zu verbessern oder aufzubauen, Isolationstechniken zu vermitteln und durch gezielte Dehnungsübungen die Muskulatur gut zu durchbluten, damit sie den hohen Anforderungen gewachsen ist und bleibt. Das hat vordergründig erst einmal mit Bauchtanz nichts zu tun, sondern ist reine Vorbereitung.

FEYROUZ war übrigens die einzige Tänzerin, die sich, immer wenn sie in Braunschweig war, gezielt mit ihren Dehnungsübungen befaßte und ständig betonte, wie wichtig es sei, gelenkig zu bleiben - denn wir werden ja nicht jünger! Und es gibt nur wenige Tanzformen,in denen Tänzerinnen so alt werden können wie im Orientalischen Tanz. Da sich jedoch unsere Ansprüche geändert haben, ist es für ältere Tänzerinnen viel schwieriger geworden, die Leistungsfähigkeit zu erhalten. Denn nach einigen Jahren ständigen Verschleißes ist irgendwann mal Schluß, wenn man nicht rechtzeitig etwas dagegensetzt.

Schon bei der Aufwärmphase fängt es an. Ich arbeite nicht so, wie es in Fitness-Studios, Tanzschulen oder Aerobicstudios üblich ist. Mein Aufwärmkonzept richtet sich nach anatomisch-physiologischen Bewegungsabläufen, die aus dem Bereich der funktionellen Anatomie und der Medizinischen Trainingstherapie kommen.

Vorteil: Eine gezielte und tiefe Erwärmung der Muskulatur!

Dadurch erzielt man eine optimale Elastizität und Bewegungsqualität, was die Voraussetzungen für die nächstfolgende Phase des Dehnens der Muskulatur sind.

Wenn ich von Stretchen spreche, dann meine ich nicht die Übungen, die ich in anderen Einrichtungen kennengelernt habe, oder die in der Fachliteratur beschrieben werden, da diese oft zu Lasten einer anderen Struktur gehen - z.B. der Bandscheibe, woraus sich Rückenprobleme ergeben, oder den Gelenken , z.B. Kniegelenke oder Knorpelstrukturen, Ellenbogengelenke, Halsmuskulatur oder Hüftpfanne.

Ich stretche so, daß die Muskulatur individuell und isoliert gedehnt* wird. Das ist die entscheidende Voraussetzung für ein gesundes Training, ohne dem Bewegungsapparat Schaden zuzufügen und schnelle Erfolge zu erzielen, wenn später Technik und Bewegungselemente geübt werden.

Mit einer optimalen Vorbereitung der Muskulatur steigen die Qualität und Leistungsfähigkeit der einzelnen Teilnehmerin. Man fühlt sich nicht ausgepowert, jedoch viel plastischer und bewegungsfreier. Eine ca. 40%ige Qualitätserhöhung im Unterricht ist die Folge. Das beweisen Vergleichsstudien der letzten 2 Jahre. Die Erfolgsquote ist bei den Kursteilnehmerinnen, die nach der neu entwickelten Methode unterrichtet werden, nicht zu übersehen.

Die Frauen, die den Bauchtanz erlernen möchten, kommen aus unterschiedlichen Gründen zu dieser Tanzform. Darauf einzugehen würde zu weit führen - eines haben sie jedoch alle gemein: sie möchten über den Bauchtanz eine persönliche Identifizierung erreichen, haben aber alle unterschiedliche körperliche Voraussetzungen. Damit der Körper jedoch richtig funktioniert, muß man ein individuelles Fundament schaffen

  • Koordinationsfähigkeit
  • Bewegungsqualität
  • körperliche Vitalität
  • Belastungsfähigkeit des Bewegungsapparates

Nachdem dieses Fundament geschaffen wurde, besteht eine 50%ige Erfolgsgarantie für eine ästhetische und plastische tänzerische Darbietung. Es fällt der Tänzerin leichter, Elemente der unterschiedlichen Orientalischen Tanzstile und Formen auszuführen und ihren individuellen Stil zu finden, wobei die persönlichen Fähigkeiten im Vordergrund stehen und maximal ausgeschöpft werden können.

Daß dies auch zu einer Aufwertung und Anerkennung des Orientalischen Tanzes als eine ernstzunehmende künstlerische Tanzform führt, beweisen die positiven Kommentare von anerkannten Choreographen aus den Bereichen Klassisches Ballett, Modern Dance, Traditionelle Tanzschulen für Standard und Latein, die die Tanzschule GAUHARA im vergangenen Jahr entweder engagiert hatten oder auf Veranstaltungen ansprachen.

Leider ist es in unserer Tanzform oft so, daß eine Tänzerin, nachdem sie ein oder zwei Seminare besucht hat, meint, alles verstanden zu haben. Man braucht jedoch viel Zeit, um den optimalen Sinn für den Orientalischen Tanz entwickeln zu können.

Nachdem ich drei Jahre intensiv mit Physiotherapeuten und Fachkräften aus dem medizinischen Bereich gearbeitet habe, verstehe ich, worauf es ankommt, wie komplex und vielseitig die Bereiche

  • Aufwärmen
  • Dehnen*
  • Bewegungslehre

sind, und daß sie die entscheidenden Voraussetzungen sind, sich perfekt bewegen zu können und einzelne Muskelgruppen gezielt und isoliert trainieren zu können.

Ein weiteres, schönes Ergebnis dieses Trainingskonzeptes ist ein strafferes Gewebe in den Problembereichen des Körpers: Taille, Bauch, Po, so daß jeder Körpertyp ästhetisch und körperbewußt präsentiert werden kann, ohne dem Modediktat zu entsprechen.

Das systhematisch aufgebaute Konzept und die Qualitätssteigerung des Bewegungsapparates bewirken daß

  • das Bewegungsempfinden in allen Körperbereichen intensiver wird
  • das Bewußtsein für Bewegung und Bewegungsabläufe des eigenen Körpers geschult wird und
  • alle Körperpartien optimal in die Tanzform einbezogen werden können



* Anmerkungen zum Thema "Dehnen":

Gezieltes Dehnen darf nicht zu Lasten eines anderen Körperteils geschehen. Man muß die Ausgangsposition so wählen, daß eine isolierte Stellung möglich ist. Um eine Körperpartie gezielt beanspruchen zu können, wird eine "Verriegelung" benötigt, so daß der Dehnreiz nicht über den zu dehnenden Bereich hinausgehen kann.

Um das Bewegungsausmaß und den Tonus (Elastizität der Muskulatur) feststellen zu können, muß eine Bewegung gemacht werden - nachdem man festgestellt hat, daß kein anderer Bereich betroffen wird, geht man in die Entspannungsphase zurück und anschließend in den Dehnreiz hinein, bis sich die Dehnrezeptoren (Zellen, die best. Informationen aufnehmen) umgestellt haben und den Reiz registrieren und tolerieren.

Die Dauer ist individuell bezogen unterschiedlich, die Stretchintensität ist abhängig von der aktuellen Verfassung der Muskulatur. Die Phase muß so dosiert werden, das sie im angenehm tolerierbaren Bereich bleibt, um eine Überreizung der Artikulationsflächen der Gelenke zu vermeiden.
 

  • Stretchen vor dem Training, damit das Muskelfasermeßsystem 80% bis 100% funktionieren kann - bei körperlicher Belastung, und um alle anderen körperlichen Belastungen verdauen zu können.
  • Stretchen nach dem Training, damit die Muskulatur immer Normaltonus hat, und für die Gelenke bei Bewegung keine Widerstände oder Kompression entstehen; denn beim Training ist die Muskulatur verspannt. Wenn man danach nicht dehnt, bleibt dieser Zustand.

News und aktuelle Infos

Gauhara News und Infos

Aufgrund der Covid-19 Maßnahmen finden leider momentan weder Festivals noch Events statt. Ich hoffe, dass diese traurige Situation bald ein Ende hat und geplante Shows realisiert werden können.